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Überlebenskampf einer Nebenbahn

Auch bei dieser "Nebenbahn" begannen mit der zunehmenden Motorisierung die ersten Schwierigkeiten und 1979 schreibt Adalbert Mueller, daß die Parallel-Lage mit der im Ausbau befindlichen Ost-West-Straße durch das obere Salzachtal den Weiterbestand der Krimmlerbahn immer problematischer macht und in Frage gestellt ist, ob sie die nächste in Aussicht stehende Kleinbahn-Einstellungswelle überstehen wird. In diese Zeit fällt auch das vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebene Nebenbahnengutachten der Österreichischen Raumordnungskonferenz, welches 44 Nebenbahnen der ÖBB als nicht lebensfähig bezeichnet; wobei aber die Pinzgauer Lokalbahn noch verhältnismässig gut weg kommt, weil der Bahn von Zell am See bis Mittersill die weitere Lebensfähigkeit attestiert wird, bis Neukirchen allerdings nur bedingt, aber überhaupt nicht mehr von da bis Krimml.

Und nun beginnt der Kampf um das Weiterbestehen der Krimmlerbahn. Die Bevölkerung und die Wirtschaft, auch die Fremdenverkehrswirtschaft, sind beunruhigt, die Salzburger Arbeiterkammer arbeitet eine beachtenswerte Studie aus, eine Untersuchung über den Zustand und die Entwicklungsmöglichkeiten der Krimmlerbahn, die anhand eines Fahrplanmodelles aufzeigen soll, was von der Angebotsseite her "machbar" ist. Die Teileinstellung der PLB wird nicht gutgeheißen, die damals geringe Inanspruchnahme sei vorwiegend auf die ungünstige zeitliche Lage der Züge zurückzuführen, wird festgestellt.

Der Sanierungsaufwand, insbesondere im Vergleich zu anderen Nebenbahnstrecken, sei minimal und zur Attraktivitätssteigerung wäre neben einem verbesserten Fahrplan auch der Einsatz von Triebwagenzügen, ähnlich jenen auf der Murtalstrecke der Steiermärkischen Landesbahnen notwendig. Der Bund erklärte sich schließlich bereit, einer Modernisierung zur Attraktivitätssteigerung zuzustimmen, wenn sich auch das Land an den notwendigen Investitionen beteiligt; andererseits wäre, so die ÖBB, auf die schlechte Ertragslage der PLB hinweisend, eine Einstellung der Bahn nicht ausgeschlossen. Die Gemeinden des Oberpinzgaues sprachen sich diesmal gegen eine Einstellung aus und die Bürgermeister ersuchten die Landesregierung um Unterstützung. Diese fasste am 14. April 1983 den Beschluss, einen 20%igen Investitionszuschuss bis zu 15,4 Mill. ATS unter der Voraussetzung zu leisten, dass die verbleibenden 80% vom Bund getragen werden.

In der "Pinzgauer Enquete", sie wurde am 5. Oktober 1983 in Mittersill in Anwesenheit der Oberpinzgauer Gemeindevertretungen, der zuständigen Regierungsmitglieder und Beamten des Landes Salzburg und der Bundesbahngeneraldirektion und Beamten des Landes Salzburg und der Bundesbahngeneraldirektion sowie weiteren prominenten Verkehrsfachleuten aus Politik und Wirtschaft durchgeführt, wurde über die Möglichkeiten zur Förderung der Auslastung und besseren Inanspruchnahme der Pinzgauer Lokalbahn beraten und Verkehrsminister Lausecker bekräftigte, daß durch diese zugesagte finanzielle Beteiligung des Landes an den Investitionen diese, und damit der Weiterbestand der Krimmlerbahn gesichert sei. Als besondere Überraschung wurde der VT 34, einer der neuen Triebwagen der Steiermärkischen Landesbahnen, vorgestellt.

ÖBB-Generaldirektor Dr. Wolfgang Pycha versprach die Modernisierung und Attraktivitätssteigerung der Pinzgauer Lokalbahn durch Geschwindigkeitserhöhungen und die Beschaffung von neuen Triebwagen, sowie die Einführung des Zugleitfunks und soweit wie möglich die Verkehrsbedienung auf der Schiene, d. h. die Autobusse sollen weitgehend durch Triebwagen ersetzt werden.

Von einer Arbeitsgruppe unter der Federführung des Landes wurden anschließend Vorschläge zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Krimmlerbahn untersucht, welche die Grundlage für den endlichen Vertragsabschluß mit der ÖBB bilden sollten. Der neuen Führung der Bundesbahn dürfte dies zu lange gedauert haben, denn von dort kamen Signale, die ein Nachlassen des Interesses an der Pinzgauer Lokalbahn und der Einlösung des Versprechens, neue, bereits im Bau befindliche Triebwagen in den Pinzgau zu bringen. Deshalb wurden vom Arbeitskreis "Pro Bahn" der Aktionsgemeinschaft Rote Elektrische in einer Blitzaktion sämtliche Gemeindevertretungen des Oberpinzgaues befragt, ob sie an der Erhaltung der Bahn in ihrer jetzigen Länge und ihrer Modernisierung interessiert seien. Das überwältigend positive Ergebnis dieser Befragung für die Krimmlerbahn führte zu einem Diskussionsabend in Krimml, bei dem in Anwesenheit von Verkehrsfachleuten, Bürgermeistern und weiteren Gemeindevertretern sowie der Oberpinzgauer Bevölkerung die "Krimmler Resolution" beschlossen worden ist.

In ihr wurde u. a. der eheste Abschluß der Verhandlungen zwischen Land Salzburg und dem Bund über das bei der Mittersiller Enquete beschlossene Ausbaukonzept, nämlich die Beschaffung neuer Triebwagen, Inbetriebnahme eines Zugleitfunks und vor allem die Erhaltung der Krimmlerbahn in ihrer ganzen Länge, sowie mittelfristig die Verlängerung der Bahn bis ins Ortszentrum von Krimml gefordert.

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Letzte Aktualisierung: 21.05.2007, 21:53:26